2017 ist ein gutes Jahr für WIRTZ: Neue Tour, neues Album, große Festivalshows, viel Arbeit und ein ganz besonderes Jubiläum: 10 Jahre WIRTZ! Während man nach dieser Zeit heutzutage auf viele Bands schon Nachrufe schreibt, sich an andere schon gar nicht mehr erinnert, geht es für den Frankfurter jetzt erst so richtig weiter. Zwischen Wurzeln und Wahnsinn, TV und Bühne, großem Open-Air und kleinem Studio schaut man immer wieder gerne zurück nach vorne.

2007, als alles begann, gab es keinen Plan, aber drei Songs: Daniel lädt sie als Testballon auf seine MySpace-Seite – und die Leute sind begeistert. Das Medium MySpace ist inzwischen nur noch leicht zuckende Internetgeschichte, die WIRTZ-Songs, mit denen alles begann, haben jedoch gleich das Mindset definiert, das fortan die Blaupause für alle WIRTZ-Veröffentlichungen vorgibt: Brutale Ehrlichkeit bis zum Seelenstrip, 100% WIRTZ und vom ersten Akkord bis zum letzten Pinselstrich die absolute Kontrolle über Musik, Artwork und das, was WIRTZ darstellen soll. Oder wie Daniel es selbst beschreibt: „In meinen Texten lasse ich so tiefe Einblicke zu, dass sich das Singen anfühlt, wie nackt U-Bahn fahren“. Das Gesetz ist Rock, das Versprechen ist Ehrlichkeit, die Sprache ist Deutsch.

Das erste Album „11 Zeugen“ landet im April 2008 knapp in den Charts, die erste Duftmarke ist gesetzt. Mit dabei als zweite Hälfte von WIRTZ ab Tag 1: Der Frankfurter Musiker und Produzent Matthias Hoffmann. Daniel hatte Texte, Ideen und Zweifel, Hoffmann die Erfahrung, die Übersicht und das Händchen. Zusammen sind sie seit 2007 WIRTZ – nicht nur musikalisch sondern auch geschäftlich. WIRTZ ist Künstler und Label, das Rundumsorgenvoll-Paket im Sinne der eigenen Kunst. Ein Konzept, das Team WIRTZ durchzieht bis zum heutigen Tage und das alternativlos ist. „Bei mir sind früher viele Sachen schiefgelaufen. Wie oft stand bei uns ein A&R-Manager im Studio und meinte, die Snare wäre zu laut. Oder er hörte den Hit noch nicht. Wir sollten so lange an unserer Musik herumschleifen, bis sie im Einheitsbrei untergeht. Ich habe mich von den Plattenfirmen nie verstanden bzw. gewollt gefühlt, sondern ich war einfach nur ein Produkt in einer Maschinerie. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Deshalb die Entscheidung, ein eigenes Label zu gründen. Davon kann man existieren und man muss sich nicht verbiegen. Diese Freiheit genieße ich extrem.“

Das „Früher“ war die Band Sub7even, die mit dem Sänger Daniel Wirtz für Großes auserkoren war: Vom Pott sollte man erst Deutschland und dann die USA erobern – ein paar große Investments und kleine Hits später, war man aber doch wieder in Dortmund gelandet, wo es mal los gegangen war. Sub7even waren Geschichte, das Konzept hatte sich überlebt und der Sänger war darüber irgendwann gar nicht mehr unglücklich. Denn es war schon lange Zeit für was Neues. WIRTZ wollte von dem Leben berichten, das er führte. Das Ergebnis ist „11 Zeugen“. Und mit dem neuen Leben geht auch eine menschliche Metamorphose einher: „Ich war früher ziemlich assi. Also, kam eine Interview-Frage, die ich für blöd hielt, habe ich das ziemlich deutlich gezeigt. Die Plattenfirma hat dieses altklassische Rockstar-Verhalten nicht nur toleriert, sondern es war sogar von ihr erwünscht. Heute beantworte ich jede Frage charmant und höflich. Nicht, weil ich nicht finde, dass es keine blöden Fragen gibt, sondern weil ich es mittlerweile wertschätze, dass jemand fragt“, erzählt Daniel später der WELT und beschreibt damit die Demut desjenigen, der das Do-It-Yourself-Prinzip mit viel harter Arbeit einem oberflächlichen Rockstar-Business gegenüber stellt.

Spätestens mit dem „11 Zeugen“-Nachfolger „Erdling“ ist dann auch klar, dass das „Konzept WIRTZ“ aufgeht: Statt Plakate zu kleben, macht WIRTZ durch die Hilfe der Fans die Runde. Das gute, alte „Do it yourself“-Rezept findet Anklang, die Message wird – romantisch aber wahr – von Mund zu Ohr weiter getragen. Platz 44 steht für das Album zu Buche, die Clubs werden größer und voller, die Touren werden länger. Jeder, der einmal kam, kommt immer wieder – und bringt noch einen Freund mit, dem er etwas Gutes tun will. Im Radio wird WIRTZ nicht gespielt, dafür ist er nicht „leicht“ genug. WIRTZ ist kein Hype, kein Phänomen, keine Nische: WIRTZ ist seit Anfang des Jahrzehnts der Beweis, dass Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert und eine aktive Fanbase der beste Multiplikator ist. Wenn man trotz dieses organischen Wachstums irgendetwas einen „Durchbruch“ nennen möchte, dann ist es das 2011er-Album „Akustik Voodoo“. Das Album schießt bis auf Platz 5 der Charts! Textlich ist alles beim Alten: „Ich musste meiner Mutter irgendwann erklären, dass alles mit mir in Ordnung ist. Denn wenn man sich meine ersten drei Alben anhört, kann man sich als Elternteil schon mal hinterfragen: Was habe ich falsch gemacht?“, erzählt Daniel lachend der Frankfurter Rundschau.

Aber wer einfach immer weiter macht, wie bisher, ist irgendwann nur noch Dienstleister und vergisst, dass er Künstler ist mit Leib und Seele. Deswegen zieht WIRTZ 2013 buchstäblich einfach mal den Stecker und riskiert was: Ein Abstecher in stromlose Unplugged-Gefilde. Und wieder geht der Plan auf. Das Album erreicht die Top 20 der Charts und WIRTZ ist ohne Strom aber mit Band, Klavier und Streicherbegleitung einen ganzen Sommer lang in ausverkauften Locations unterwegs.

Ab 2015 wird es dann aber wieder elektrisch und WIRTZ elektrisiert ein großes Publikum: Xavier Naidoo lädt Daniel Wirtz in seine preisgekrönte „Sing meinen Song“-Reihe ein und ein Millionen-Publikum bekommt vorgeführt, was die langjährigen WIRTZ-Fans schon lange wissen: Da gibt es tatsächlich einen deutschen Musiker, der viele Jahre ein bisschen unter dem Radar geflogen ist, der aber ganz viel in Menschen bewegen und auslösen kann. Der authentisch ist. Das bleibt hängen und ab sofort geht alles etwas schneller: Mit seinem Album „Auf die Plätze, fertig, los“ landet er im Juni auf Platz 6 der Albumcharts und tummelt dort mit bis zu vier Alben gleichzeitig in den Top 50. Rund 40.000 neue und alte Fans bejubeln den Frankfurter auf seiner restlos ausverkauften Herbsttour, die deutschen Megastars Naidoo und Lindenberg laden WIRTZ ein, sie auf Tour zu begleiten und VOX konzipiert für und mit Daniel Wirtz mit „One Night Song“ eine eigene TV-Sendung! WIRTZ ist endgültig im Rock- und Popbetrieb des Landes angekommen, auch wenn das gar nicht der Plan war. Wer aber Musik macht, möchte gehört werden – gerade, wenn er etwas zu sagen hat.

Wie ist also der Status Quo nach 10 Jahren WIRTZ? „Ich fühle mich sehr frei. Es ist toll, dass ich in der unglaublich schönen Situation bin, dass ich als freier Mann mit dem Soloprojekt angefangen habe, mich nicht verbiegen lassen musste und es alles trotzdem so einen Anklang findet. Das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt.“ Glücklich, wenn das Leben jetzt erst so richtig weiter geht!